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Salsa

Von Michael Peters - Salsa DJ im Havanna / SODA Club Berlin / Atisha Hamburg.
(Ein Klick auf den obigen Link führt zum Originalartikel.
Ich danke dem Verfasser für seine freundliche Genehmigung!)



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Woher kommt Salsa?

Auf diese Frage findet man im Internet
die vielfältigsten Antworten.
Fragt man Latinos, so wird man - je nach Herkunftsland -
auch hier wieder von jedem eine andere Antwort bekommen.


 


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Salsa kommt aus Kuba, sagen die Kubaner.
Nein, Salsa kommt von uns Puertoriqueños aus New York!
Alles Quatsch, die Hauptstadt der Salsa ist Calí, hören wir von den Kolumbianern.
Natürlich kommen die Salsa-Roots aus Afrika ... sagen die Afrikaner.

In einem Jazz-Lexikon habe ich z.B. auch die Behauptung gelesen,
dass die Verschmelzung von Jazz und lateinamerikanischen Rhythmen direkt
zur Salsa geführt haben soll.

Was für ein Wirrwar! Wer hat denn nun recht?

Dieser Artikel soll aufzeigen, dass in jeder Aussage ein klein bisschen Wahrheit steckt,
auch wenn das sich alles scheinbar widerspricht.
Beginnen wir am besten mit dem Begriff:

Salsa heisst 'Sosse' und bedeutet auf die Musik übertragen in etwa:
Hier findest Du alle Rhythmen so geschickt vermischt,
dass sich alle 'streitenden' Parteien in dieser Sosse wiederfinden.

Entstanden ist der Begriff Salsa für diese Art von Musik - und das ist unstrittig -
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre in New York.

Und - jetzt kommt ein Treppenwitz der Geschichte:

Derjenige, der den Begriff so richtig populär gemacht hat, war kein Latino -
es war ein Italo-Amerikaner: Jerry Masucci und sein legendäres Fania-Platten-Label,
welches er zusammen mit dem Musiker Johnny Pacheco Anfang der 60er
gegründet hatte.
Sie haben mit geschicktem Marketing diesen Begriff weltweit bekannt gemacht.
Es war zunächst nur eine Reklamephrase, um die Musik besser verkaufen zu können.

Der Name 'Salsa' an sich wurde auch schon bei früheren Gelegenheiten mit Musik
in Verbindung gebracht z.B. in dem Lied 'Échale Salsita' von Ignacio Piñeiro.
Das war bereits 1937! In dem Lied von Piñeiro ging es wohl um's Essen.
Aber der Ausspruch 'Échale Salsita' wurde zu einer beliebten Phrase unter Musikern
und bedeutete im musikalischen Kontext in etwa:
Gib ein bisschen Schärfe an die Musik!

Die Musik selbst oder die Rhythmen sind - wie schon angedeutet - hervorgegangen
aus vielen schon vorhandenen lateinamerikanischen Rhythmen.

Und - jetzt kommt Kuba ins Spiel - die wichtigsten dieser Rhythmen kommen
tatsächlich von der Karibikinsel.

Mambo, (hat auch haitianische Wurzeln!), Cha Cha Cha und vor allem der Son
sind wohl die bedeutensten Geburtshelfer der Salsa -
auch daran gibt es nix zu zweifeln.

Um es mit dem kubanischen Musiker Issac Delgado zu sagen:
"El son es la esencia de la salsa ...".

Tatsächlich ist es für Ungeübte schwer, Salsa und Son voneinander zu unterscheiden.
Man merkt es u.a. auch an der Clave, dem für mich neben der Conga
wohl wichtigsten Salsa-Rhythmusinstrument.
Im Son ist meist die 2-3 Clave ( tak tak ... tak tak tak ) zu hören,
während in der Salsa die Clave sehr oft 3-2 geschlagen wird ( tak tak tak ... tak tak ).

Einen andereren Unterschied gibt es in der Instrumentierung:
Son-Bands besitzen sehr oft eine Tres-Gitarre und eher selten eine Posaune,
die in der Salsa weit verbreitet ist.

Eine sehr gute 'waschechte' Son-Band ist übrigens in Berlin beheimatet:
Sonido Tres.

Eine Anekdote am Rande:

Nach seinem Konzert in Berlin hatten mein Freund Ronny und ich die Gelegenheit,
mit Eddie Palmieri zu sprechen - ein legendärer in New York geborener
puertorikanischer Pianist und Komponist und einer der Urväter der Salsa.
Ronny - ein Kubaner - sagte zu Eddie:
"Eddie, Dein Bassist klang ja auffallend kubanisch."
(er meinte die Spielweise ).
Daraufhin sagte Eddie Palmieri:
"Aber Ronny, was wir machen, ist doch kubanische Musik!".
Wer Eddie Palmieri's stark puertoricanisch geprägte Musik kennt,
mag ermessen, wie bescheiden und weise zugleich diese Antwort war.

Ebenso äußerte sich zeitlebens die Legende Tito Puente:
Er wollte den Begriff "Salsa" nie akzeptieren und sprach immer von
afro-kubanischen Rhythmen, die er spiele.

Was war denn jetzt aber so aufregend neu in New York,
dass man sogar extra einen Namen für die Musik erfunden hat?
Nun, zunächst mal war die Vermischung der verschiedenen Rhythmen
nicht nur kubanischen Ursprungs.

In der Salsa wird man auch Einflüsse der Cumbia aus Kolumbien wieder finden.

Ein Beispiel ist "La Vida es un carnaval" von Celia Cruz ebenso
wie Bombay Plena - ein Rhythmus aus Puerto Rico.

Und auch Einflüsse aus dem Jazz und anderer moderner,
westlich geprägter Musik hat es gegeben.
So wie auch der Jazz viele Impulse aus der Salsa erhielt.
Der Conga-Spieler Ray Barretto - auch einer der Pioniere der Salsa -
spielt heute nur noch Jazz.

Ja sogar Elemente der Soul - Musik kann man in der Salsa wiederfinden
(man besorge sich eine Platte der Gruppe Ocho!).
Wen wunderts, denn der Ursprung all dieser Rhythmen liegt tatsächlich in Afrika.

New York wurde also seinem Ruf als grosser 'melting pott' wieder einmal gerecht.

Das Neue an der Salsa war aber nicht nur die Verschmelzung der Rhythmen.
Die eigentliche 'Revolution' war in meinen Augen keine musikalische,
sie war sozialer Natur.
Ähnlich der Black-Power Bewegung der Schwarzen erhob hier
eine ethnische Minderheit ihre Stimme gegen Unterdrückung und Diskriminierung.

Über den Timbales Spieler Manny Oquendo (eine der wichtigsten Figuren
der New Yorker Salsa-Szene) wurde mal folgendes von einem Musikjournalisten
geschrieben:
"Man hatte das Gefühl, der wütende Schlag der Sticks in den Händen
von Manny Oquendo auf die Timbales sollte die Welt verändern ...".

Die vielen Latino-Einwanderer in New York fanden sich und ihre Befindlichkeiten,
ihr Leben im Barrio (Spanish Harlem - Bereich nordöstlich des Central Parks in Manhattan),
ihre Alltagssorgen, ihre Identität und auch ihre Liebesaffären in den Texten der Salsa wieder.

Und - das war wirklich neu: Die Texte. Sowas hatte es vorher in dem Ausmaß nicht gegeben.
Auf einmal hörte man nicht mehr nur " ... los pollos queren mas ... " und
ähnliche zwar witzige, aber harmlose Anspielungen.
Auf einmal ging es um das wirkliche Leben!
Das war es, was die Musik so authentisch gemacht hat.

Die Sänger bekamen eine ganz neue Bedeutung.
Der bekannteste unter ihnen war zweifellos "El Cantante de los Cantates" - Hector Lavoe.
Improvisationen nicht nur der Musiker sondern auch der Sänger auf der Bühne,
die aus dem Stehgreif neue Texte oder Texteile erfanden und sofort sangen,
waren an der Tagesordnung. Die Kunst der Soneros lebte wieder auf.

Einer, der diese Kunst heute noch beherrscht,
ist einer meiner Lieblings-Sänger: Herman Olivera (Sänger bei Manny Oquendo,
Eddie Palmieri, Jimmy Bosch und beim gerade angesagten Spanish Harlem Orchestra).

Unter dem Fania-Label wurden nicht nur die Rhythmen zur Salsa vereint,
auch Latinos aus vielen verschiedenen Ländern musizierten vereint als Fania-All-Stars.
Celia Cruz aus Kuba, Johnny Pacheco aus der Dominikanischen Republik,
Ruben Blades aus Panama, Cheo Feliciano aus Puerto Rico oder
der in New York geborene Willie Colon und viele andere ... sie alle musizierten
auf einer Bühne oder bei Plattenaufnahmen gemeinsam und demonstrierten damit
auch ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl der Latinos.

Natürlich 'schwappte' die Salsa-Welle dann auch zurück in die Länder Lateinamerikas.

Wie das so ist mit guten Dingen: Die Salsa wurde immer mehr kommerzialisiert.
Ruben Blades (der bei Fania als Bürobote begann und dann eines der großen Zugpferde
des Fania-Labels wurde) schob dies in einem Interview u.a. auch dem schon oben
erwähnten Jerry Masucci in die Schuhe!
Auf einmal ging es auch um Verkaufszahlen.
Dazu wurden dann die Texte und die Musik geschönt und vereinfacht.

Mitte der 80er entstand die so genannte Salsa-Romantica.
Es ging in den schlagerartigen Songs fast nur noch um Liebe.
Mit dem Aufkommen dieser Spielart der Salsa verlor auch
das 'Geburts'-Label der Salsa - Fania Records - immer mehr an Bedeutung.
Geschäftliche Pannen bei Fania, und der aufkommende Merengue-Hype beschleunigten
wohl auch diese Entwicklung.
Die Salsa-Brava, wie die kompromisslose Fania-Salsa auch genannt wurde,
wurde in den Hintergrund gedrängt.
Neuer Star am Himmel der Plattenlabel war RMM ('Ralph Mercado Music').
Später wurde daraus 'Ritmo Mundo Musical'), eine Firma von Ralph Mercado,
dem ehemaligen Manager des legendären New Yorker Cheetah-Clubs
(in dem auch die Fania-All-Stars auftraten).
Auf einmal fanden sich alle Musiker hier bei RMM versammelt.
Von Celia Cruz bis Oscar D'Leon - alle nahmen bei RMM auf.
Auch bei RMM gab es ein breites Spektrum an Musik.
Eddie Palmieri und Tito Puente haben bei RMM CD's produziert und
dabei Ihren Stil nicht verändert.
Der Grossteil der RMM-Produktionen war aber Salsa-Romantica.
Unvergessen sicherlich die Scheibe Combinación Perfecta, ein Projekt,
bei dem jeweils zwei großartige Salsa-Stars ein Duett miteinander sangen.
Nicht nur Vivir lo nuestro oder No vale la pena hört man heute noch - auch
"Son de Celia" oder "Llego el Sabor" sowie "Soneros de Bailadores" waren
ganz große Hits.
Wobei die drei letztgenannten eher der Salsa-Brava zuzurechnen sind.
Die Grenzen sind eben fließend ...
Man kann sagen, dass in dieser Zeit das Klischee von der viel beschworenen Erotik
der Salsa entstand, welches auch heute noch gerne von nicht
so gut informierten Journalisten in mehr oder weniger wertvollen Zeitungsartikeln
benutzt wird.

Hardcore-Fans wiederum verteufeln heute die Salsa-Romantica.
ja es gab sogar Ende der 90er einen Artikel im Internet: The death of the Salsa.
Ich meine, diese Musik gehört zur Geschichte der Salsa dazu.

Und nicht alles war schlecht. Es gab wirklich großartige Produktionen.
Eine meiner Lieblings - Salsa - Platten ist z.B. Con Cache! aus dem Jahr 1984
von Louie Ramirez & Ray de la Paz. Freunde, das ist Salsa-Romantica pur!
Und zwar so gut gemacht, dass heute noch, auf den in Mode gekommenen Festivals
der Salsa-Brava-Tänzer, Titel dieser CD von den Star-DJ's rauf und runtergespielt werden.

Da heute die Texte offenbar weniger wichtig sind,
fällt der 'romantische Makel' dieser energiegeladenen Salsa-Romanticas
auch nicht mehr weiter auf :-).

Nach ca. 10 Jahren überwiegend romantischer Salsa kamen dann wieder
frische Impulse aus Kuba.
Hier - in Kuba - schielte niemand nach Verkaufszahlen.
Die besten Umstände für die Geburt einer neuen Musikrichtung innerhalb der Salsa.

Die Timba wurde Anfang der 90er geboren - der Begriff geht wohl auf Juan Formell
(Gründer und Chef von Los Van Van) zurück. Neu waren teilweise gerappte Gesangs-Einlagen.
Und auf der musikalischen Seite auch neu:
Timba-Bands verwenden meist ein komplettes 'westliches' Schlagzeug (Batteria) mit
Bass Drum und High-Hats anstelle der bis dahin üblichen Timbales
(besteht aus 2 Trommeln plus Kuhglocke).
Das führte natürlich auch zu mehr 'Durchschlagskraft', die Rhythmen wurden wieder härter.
Teilweise so hart, dass sie für die bis dahin 'eingelullten' Salsa-Romantica Fans
unerträglich wurden.

Ich hatte das Glück, Anfang der 90er in Havanna viele der neu aufkommenden Stars wie
Issac Delgado oder Paulito und auch schon etablierte Bands wie Los Van Van oder
N.G. La Banda live im damals berühmten El Palacio de la Salsa zu erleben.
Man spürte förmlich die Aufbruchstimmung. Da war etwas Neues! Salsa war nicht tot!

Meiner Meinung nach führte der große weltweite Erfolg der kubanischen Timba auch zu
so etwas wie einer Rückbesinnung bei den Puertoricanern.
Irgendwie merkten sie, dass Salsa-Romantica nicht das Ende des Weges sein konnte.
Auch der Erfolg vieler kolumbianischer Gruppen, die nie auf der Salsa-Romantica Welle
mit schwammen, mag dazu beigetragen haben.
Erwähnt seien hier Joe Arroyo (Rebellion!) oder Fruko - auch Niche, Sonora Carrusseles
oder Grupo Gale. Was folgte, war eine Rückbesinnung auf die alten Stärken der Salsa.

Gegenwärtig erlebt die Salsa Brava eine Renaissance -
allerdings mit alten - schon aus Fania-Tagen bekannten Künstlern.
Spanish Harlem Orchestra oder Wayne Gorbea, Jimmy Bosch, Johnny Polanco,
Son Boricua oder Soneros del Barrio heißen die neuen alten Stars.
Schon im Namen weisen viele auf die Ursprünge hin:
Soneros del Barrio, Spanish Harlem Orchestra.

Natürlich schaut man bei den Platten-Labels immer noch auf die Verkaufszahlen.
Und die sind - nicht nur für Salsa - leider rückläufig.
Hinzu kommt der Umstand, dass die Salsa gemessen an den Umsätzen der Pop-Industrie
schon immer "nur ein Nischengeschäft" (in der Sprache der Plattenbosse) war.
Die Situation verschärft sich in den heutigen Tagen natürlich.
So sinkt die Bereitschaft, neue Künstler zu fördern.
Auch die hohen Kosten für Live-Auftritte machen es Anfängern nicht leicht,
da es sich ja immer um große Orchester handelt. 10 - 12 Musiker, Techniker und Manager
wollen erst mal untergebracht werden, sie wollen essen und für ihren Auftritt auch noch
angemessen bezahlt werden.
Und wenn sie in Europa auftreten, muss auch jemand den Flug bezahlen.
Vielen Musikern geht es nicht gut, manche kehren wieder in alte Berufe zurück.
Auch das ehemals große Salsa-Label RMM gibt es nicht mehr.
Viele kleine Label engagieren sich nun für die Musik,
teilweise verlegen auch Künstler ihre CD's selbst (z.B. Mamborama mussten ihre erste CD
selbst produzieren und vertreiben).

Aber ich bin sicher, dass die Salsa auch diese Krise überleben wird,
denn es gibt viele Menschen auf der ganzen Welt, die sich für diese Musik engagieren.
Denn Salsa hat sich permanent verbreitet.
Auch die Afrikaner - für Tito Puente neben Kuba ja der eigentliche Ursprung -
sind voll mit dabei!
Nicht nur die alles überragenden Stars Africando (übrigens mit einem Vietnamesen am Piano) -
sondern auch Ricardo Lemvo & Makina Loca oder Interpreten wie Tucando!
oder Papa Wemba muss man hier nennen.
Salsa-Gruppen mit internationaler Reputation kommen auch
aus solchen Ländern wie Japan (z.B. Orquesta de la Luz oder Orquesta Del Sol).
Ich besitze auch ausgezeichnete CD's von Gruppen aus Schottland, Finnland, der Schweiz und
natürlich auch aus Deutschland.

Wie die Salsa ein ganzes Land erobern kann, beschreibt der Journalist Shuhei Hosokawa.
Salsa ist heute vielfältiger denn je.
Und es ist ein Begriff, der schwer allgemeingültig zu definieren ist.
Ich finde, jeder muss "seine" Salsa für sich entdecken. Ich persönlich mag die Vielfalt.
Wer sich nur auf eine Richtung fixiert, weiß vielleicht gar nicht, was ihm entgeht.
Und nochmal: Die Grenzen sind fliessend. Entdeckt die Musik!
Oder - wie eine hamburgische Salsa-Disco als Motto verbreitet: "Erlebe Salsa!"

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Thema?
Schreiben Sie mir einfach eine Mail!

Wolfgang Pecher



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