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Liebe und Macht

Interview: Ulrike Fach

Die erste Begegnung entscheidet darüber, wer in der Beziehung das Sagen hat.
Glauben Sie nicht?
Dann lesen Sie die Erkenntnisse des Paar- und Familientherapeuten WOLFGANG BERGMANN
- ein Interview über die Liebe und warum sie ohne Machtstrukturen langweilig wäre:


Einer aktuellen Erhebung zufolge sagen 70 Prozent der Befragten,
dass Liebe und Macht nicht zusammenpassen.
Was sagt der Psychologe, Herr Bergmann?
Das Gegenteil ist richtig. Intensive Liebe ist ohne einen klaren Machtcode gar nicht denkbar.

Auch wenn sich ungleiche Machtverhältnisse entwickeln?
Nicht trotz, sondern wegen ungleicher Machtverhältnisse bleibt Liebe aufregend, erschütternd und jeden Tag ein riskantes Abenteuer - und so soll es sein!

Es gibt doch auch Beziehungen mit einem ausgeglichenen Machtverhältnis zwischen den Partnern.
Gibt es nicht, man sollte sie auch nicht anstreben. Liebe ist keine juristische oder bürokratische Einrichtung und erträgt keine „Vernunft der Gleichheit“.
Liebe ist durchwirkt von Abhängigkeit, Sehnsucht, verzweifeltem Ringen und Momenten innigen Glücks.
Und in jeder intensiven Liebesbeziehung gibt es einen Starken und einen Abhängigen.

Das klingt ja furchtbar.
Freilich gehört zu der tiefer liegenden Dialektik der Liebe auch, dass der hingebungsvolle, abhängigere Partner in dem überlegenen, stärkeren eine so tiefe Bindung erzeugt, das letztlich beide nicht ohne einander sein können - und das ist das Zeichen wahrer Liebe!
Ein anderes kenne ich nicht.

Dennoch, wer will denn freiwillig der Abhängige, Schwache sein?
Mit Wollen hat das alles wenig zu tun. In der Liebe läuft alles unbewusst ab, vom ersten Anschauen und Angeschautwerden, vom ersten seelischen Durcheinander und dem ersten Erschüttertsein. Getrieben von unseren unbewussten Sehnsüchten erleben wir die erste Begegnung, die bereits darüber entscheidet, wer in der Liebe der Mächtigere sein wird.

Die erste Begegnung entscheidet?
Der erste Blick.

Und warum ist das so?
Blicke waren das Erste, das wir uns - in den Armen von Vater und Mutter - einprägten, an denen wir zum ersten Mal Nähe und Freude, Glanz oder Gleichgültigkeit erfuhren. Sie prägen uns ein Leben lang. Deshalb ist der Austausch von Blicken das Intensivste von allem.

Und was hat das mit Macht zu tun?
In einem Blick finden wir, was wir intuitiv suchen oder eben nicht. Eine Frau, die ein halbes Leben lang mit der Unentschiedenheit und Schwäche eines Mannes zu tun hatte, wird den zugleich freundich-souveränen und entschlossenen Blick eines fremden Mannes unmittelbar wahrnehmen, ja aufsaugen. Danach kann sie sich erschrocken abwenden oder sich diesem Blick hingeben.
Tut sie Letzteres, wird sie vielleicht ein Leben lang nicht wieder davon loskommen.
So entsteht Liebe.

Und Macht: Er der Überlegene, sie die Hingebungsvolle?
In diesem Fall ja.

Sicher kein Einzelfall, oder?
Sicher nicht. Menschen - übrigens allem modernen Gerede zum Trotz vorwiegend Frauen, wenn auch nicht ausschließlich - suchen im Gegenüber einen Mächtigeren.
Und dafür müssen sie sich selbst nicht schwach fühlen.

Was ist dann der Grund?
Sie wollen sich vielleicht anlehnen, weil sie einen gütigen und starken Vater hatten, der jetzt alt ist oder nicht mehr lebt und sie für den Verlust einen Ersatz suchen.
Jede Liebe ist auch eine Antwort auf Sehnsüchte, die mich umher trieben, bis ich endlich jemanden gefunden habe, der diese Sehnsucht stillt oder zumindest tröstet.

Und was suchen Männer in ihrem Gegenüber?
Generell reagieren wir am stärksten auf ein Gegenbild von uns. Liebe ist die immer wiederkehrende Faszination des Ungleichen, das hingerissene Starren auf Eigenarten, die der Andere zu haben scheint, über die ich selbst jedoch nie verfügen werde.

Aber bei aller Faszination mit Hingabe und Unterwerfung tun sich Männer in der Liebe doch schwer?
Stimmt, das ist nicht ihr Talent.

Zu stark für so viel Schwäche?
Wir sollten uns abgewöhnen, „Unterwerfung“ negativ zu besetzen mit ausgebeutet oder ausgenutzt sein, mit einer modernen Art der Sklaverei gleichzusetzen. Unterwerfung und Passivität kann auch die Intensität restloser Hingabe sein und Hingabe ist Vorbehaltlosigkeit und Radikalität, eine „Gabe“, ein Geschenk, das einem geliebten Menschen gemacht wird.
Hingabe ist die andere Seite der Stärke, weil sie immer auch ein Risiko ist, vor dem Männer sich ängstigen.

Welches Risiko?
Geht der oder die Geliebte behutsam, sensibel damit um, legt er um meine Passivität ein Schutzschild seiner „Macht“ und behütet sozusagen meine Gefühle? Wenn ja, dann ist alles gut.

Und wenn nicht, wenn die Macht missbraucht wird?
Wer in seiner Hingabe ausgenutzt wird, ist um das Schönste betrogen!
Er oder sie sollte sich so schnell wie möglich aus der Bindung befreien.

Ich kenne Beziehungen, da wird ihre Liebe seit Jahren ausgenutzt.
Dafür gibt es tragische Beispiele. Aber mal ehrlich: Geliebt hat weder die Ausgenutzte noch der Ausnutzer. Sie haben nur ihre Schwächen zusammengeworfen, und jeder von beiden hat seinen seelischen oder materiellen Vorteil daraus zu ziehen versucht.
Mit Liebe hat das nichts zu tun!

Wenn ich in der einen Beziehung die Unterlegene war, kann ich in der nächsten die Dominante sein?
In welcher Rolle ich mich wohl fühle, das wird in der frühen Kindheit aus vielen Faktoren geprägt. Und wer zum Beispiel zur Unterwerfung neigt - und das sind nicht etwa die besonders autoritär erzogenen Töchter -, wird das Glück der Hingabe innig erleben und nichts anderes wollen als einen Partner, der die Macht hat.

Vorausgesetzt er hält sich an die Regeln der Macht, stimmt‘s?
Wer von Regeln spricht, unterstellt, dass Macht in der Liebe immer unauthentisch und fehl am Platz sei. Das ist aber nicht der Fall. Man muss doch nur mal einen Augenblick ehrlich sein: Wann war körperliche Liebe und Verlangen wirklich ganz und gar erfüllend? Wenn es behutsam, warm und rücksichtsvoll zuging? Das mag sehr nett sein. Aber intensiv erinnert werden doch jene Augenblicke der Sexualität, in denen sie neben Zartheit und Vertrauen auch Härte und Kanten hatte. Und so ist es mit der Liebe insgesamt.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Thema?
Schreiben Sie mir einfach eine Mail!

Wolfgang Pecher



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